Goenkaji bei der Grundsteinlegung der Pagode – Dhamma Thali, Jaipur in Indien am 14. März 1982 (Auszug)
Meine lieben Dhamma-Söhne und -Töchter,
wo reines Dhamma entsteht, da beginnt die Erde mit reinem Dhamma widerzuhallen. Ja, die gesamte Atmosphäre schwingt mit Dhamma. Wer weiß, für wie viele Jahrhunderte dieses gesegnete Land hier durch die Dhamma-Praxis gereift ist?
Das ist tatsächlich der Grund dafür, dass Dhamma hier entstehen und zahllosen Menschen helfen konnte. Was gibt es über die Dhamma-Schwingungen des Landes hier in diesem Zentrum zu sagen, wo entschlossene Meditierende mit starkem Willen meditieren und wo nur Dhamma-Aktivitäten stattfinden?
Wie kann sich jemand von Verlangen, Abneigung und Unwissenheit befreien? Nicht durch bloße Reflexion, sondern durch aktive Praxis. Durch direkte Erfahrung wird der Geist auf sehr tiefer Ebene geläutert und die alten Ansammlungen von Unreinheiten lösen sich langsam auf, werden weggespült und ausgelöscht.
Auf einem solchen Land wird die Atmosphäre selbst reich an Dhamma, was unzähligen Wesen zugutekommt. Wenn ein Mensch an einen solchen Ort kommt und auch nur ein wenig meditiert, zieht er daraus großen Nutzen. Zurzeit sind die Menschen auf diesem Land in Meditation vertieft. Es werden in Zukunft noch viele weitere Menschen meditieren, im Zuge dessen werden auch die Meditationszellen gebaut. Natürlich bedarf es einiger Anstrengung, um auf dem Weg der Meditation voranzukommen. Ohne selbige gibt es keinen Fortschritt.
Des Weiteren, wenn die Meditationspraxis unverfälscht und rein ist, ist ihr Nutzen besonders groß. Wenn die Meditation nicht in ihrer ursprünglichen Form ausgeführt wird, dann wird sich kein so großer Nutzen -wie erhofft- einstellen, trotz großer Anstrengungen. Die richtige Anleitung durch einen Lehrer ist unabdingbar, um zu verhindern, dass Meditierende auf Abwege geraten.
Auch die Meditationsatmosphäre ist ein wichtiger Faktor. Meditierende werden keinen so großen Nutzen daraus ziehen, wenn sie an einem Ort meditieren, der nicht durch Dhamma-Schwingungen zur Reifung gebracht worden ist.
Eine Gruppe von Meditierenden reiste kürzlich an Orte, an denen in der Vergangenheit Heilige (arahants) praktiziert haben. Selbst nach so langer Zeit fanden die Meditierenden eine für die Meditation sehr förderliche Atmosphäre vor. Indien ist also für sich genommen ein bedeutendes Land. Dieses Land ist wahrlich gesegnet, weshalb die Praxis des reinen Dhamma hier ihren Anfang nahm und sich auch in Zukunft immer weiter verbreiten wird.
Die Bedeutung der Meditations-Zellen
Dem Tathāgata zufolge ist eine allein meditierende Person vergleichbar mit dem meditierenden Brahma. Zwei gemeinsam meditierende Personen sind wie meditierende Devas. Und drei Menschen, die zusammen meditieren, entsprechen einem meditierenden Mönch, der der Welt entsagt hat. Kommen jedoch noch mehr Menschen zusammen, entstehen nur Lärm und Unruhe – und die Meditation erreicht keine Tiefe. Das zeigt, wie wichtig Meditations-Zellen sind.
Eine Zelle (suññāgāra) ist ein kleiner, leerer Raum. Die Meditation allein in einer solchen Zelle hat enorme Vorteile. Die Zellen im Zentrum in Myanmar, wo ich Vipassana lernte, waren von Dhamma-Schwingungen durchdrungen. In ihnen zu meditieren war enorm bereichernd und ergebnisreich. Nur durch ernsthafte Praxis kann man den Unterschied erkennen.
Dem entsprechend sind in Dhamma Giri in Igatpuri suññāgāras entstanden. In ihnen zu meditieren, hilft den Menschen sehr. Die Zellen haben eine wichtige Funktion: Suññāgāraṃ paviṭṭhassa, santacittassa bhikkhuno; Amānusī ratī hoti, sammā Dhammaṃ vipassato.
Dhammapadapāḷi – 373, Bhikkhuvaggo. Sammā Dhammaṃ vipassato.
Man sitzt für Vipassana und nimmt das Dhamma richtig wahr. Wo? Suññāgāraṃ paviṭṭhassa – innerhalb einer Meditationszelle. Santacittassa – wenn man Vipassana richtig praktiziert, wird der Geist ruhig und gelassen. Und dann wird amānusī ratī hoti – eine solche Freude, eine solche Glückseligkeit empfunden, die jenseits der sinnlichen Befriedigung liegt.
Die Erfahrung von reinem Dhamma geht weit über bloße Sinneserfahrungen hinaus. Allein und ohne jegliche Störung und jegliches Hindernis zu meditieren, ist ein göttliches, ein brahmanisches Gefühl. Auch auf diesem gesegneten Land entstehen Zellen, in denen Meditierende durch ihre eigene Praxis tief in Dhamma eintauchen können. Das wird zu ihrem großen Wohlergehen sein. Schon wenn es auch nur einem einzigen Suchenden Nutzen bringt, werden all diejenigen immens davon profitieren, die mit großer Anstrengung und Aufopferung am Aufbau dieser Zellen beteiligt waren. Und nichts kann wertvoller sein als das.
Dāna Pāramī
Dāna ist ein wichtiges pāramī. Als der Buddha eines seiner früheren Leben als Bodhisattva beschrieb, erzählte er davon, wie er sich als König eines großen Königreichs zum Geben von dāna inspiriert fühlte. Und er begann, seine Reichtümer zu verschenken. Sieben Jahre lang gab er vielen Hunderten von Menschen Kleidung, Nahrung, Medizin, Unterkunft und Transportwagen im Überfluss. Er versorgte sie mit allem, was sie für ein gutes, weltliches Leben brauchten, sodass es niemandem an weltlichem Besitz mangelte. Das war eine äußerst verdienstvolle Tat, eine große Vermehrung von pāramīs.
Der Buddha fuhr fort zu erklären, dass eine einzige Mahlzeit jedoch weit mehr Wert habe als diese enorme Menge an weltlichem dāna, wenn sie einem sotāpanna gegeben wird (jemandem, der die erste Stufe der Befreiung erlangt hat).
Jemand, der durch die Entwicklung von sīla, samādhi und paññā ein sotāpanna wird, hat sich von einem anariya in einen ariya verwandelt. Wer zum ersten Mal nibbāna erkannt hat, hat den ersten Meilenstein der Erleuchtung auf dem Dhamma-Pfad erreicht. Eine Spende an eine Person, die in diesen Strom der Befreiung eingetreten ist, ist überaus verdienstvoll. Denn dadurch fällt die Saat des dāna pāramī auf sehr fruchtbaren Boden.
Der Buddha fuhr fort und sagte, dass zu seiner Zeit als König niemand den Zustand von sotāpanna erreicht hatte. Weil es kein Vipassana gab, konnten Menschen nibbāna nicht erreichen. Dāna musste also denjenigen gegeben werden, die zu dieser Zeit eben gerade vor Ort waren. Der Mensch hat das Potential, sich durch diese Meditation der Einsicht zu befreien, indem er lernt, die Knoten des kamma im Inneren zu lösen. Das kann ein Tier nicht. Eine Kuh kann sich niemals selbst befreien – die Natur hat ihr diese Fähigkeit nicht gegeben.
Aber wenn unser dāna einer Mahlzeit das Leben eines Menschen auch nur um einen Tag verlängert, wer weiß? An diesem einen Tag könnte er mit reinem Dhamma in Berührung kommen und den Weg finden, auf dem er seine Knoten der Unreinheit lösen und sich vom Elend befreien kann.
Nehmen wir einen ganz normalen Menschen, der den Pfad des Dhamma noch nicht gefunden hat und sein Leben mit eher nicht zuträglichen Dingen verbracht hat. Vergleichen wir ihn nun mit einer Person, die ein für ihre Verdienste zuträgliches Leben geführt und begonnen hat, den Pfad des Dhamma zu gehen. Letzterem ein dāna an Nahrung zu geben, ist im Vergleich dazu verdienstvoller. Wenn sein Leben durch unser dāna auch nur um einen Tag verlängert wird, kann er dadurch ein Stück weiter auf dem Pfad des tugendhaften Handelns gehen. Und wenn er auf diesem Pfad fortschreitet, wird er schließlich das Ziel des vollkommenen Erkennens erreichen. Dieses dāna wird ihm von großem Nutzen sein, da er dem Pfad des Dhamma folgt.
Noch verdienstvoller ist es, jemandem etwas zu essen zu geben, der nibbāna erreicht hat. Denn eine solche Person tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, wenn sie einen weiteren Tag lebt. Sie erfüllt die Umgebung durch jeden ihrer Atemzüge mit Dhamma-Schwingungen. Man kann nicht wissen, wie viele Menschen er unterstützen wird.
Wenn eine für die Meditierenden zweckmäßige Einrichtung geschaffen wird, z.B. durch den Bau von Meditationszellen, in denen Menschen meditieren und auf die Befreiung hinarbeiten können, dann ist dieses dāna das noch wertvollere.
Es lässt sich also nicht sagen, dass die bisher in diesem Zentrum geleistete Arbeit fruchtlos war. Aber wenn die Zellen fertig sind, sodass jede Person alleine sitzen kann, ja, wenn auch Wohnräume für jede einzelne Person gebaut werden, dann ist das prima. Doch auch wenn Einzelzimmer noch nicht realisierbar sind, sollte zumindest jeder einen abgetrennten Raum zum Meditieren haben, damit niemand die Meditation stören oder ihn auf seinem Weg behindern kann. Unter solchen Umständen wird der Fortschritt eines Meditierenden vervielfacht. Es ist also sehr gut, dass die Arbeit an den Zellen auf diesem Dhamma-Land begonnen hat.
Bestes Dāna – Meditieren auf diesem Land
In diesem Land gibt es die Tradition, auf einer frisch erschlossenen Baufläche heilige Rituale abzuhalten. Wenn hier reines Dhamma praktiziert werden soll, was für ein Ritual sollte das dann sein? Die Ehre, die diesem Landstück erwiesen wird, besteht darin, auf diesem Land zu sitzen und zu meditieren. Es gibt keine bessere Möglichkeit, Ehrerbietung oder Respekt zu zollen, als reine Schwingungen zu erzeugen. Daher zollen wir diesem Land gebührenden Respekt, wenn wir hier sitzen und meditieren.
Mögen sich die Schwingungen des Dhamma in diesem Land ausbreiten und unzähligen Menschen zugutekommen. Dies ist die heilige Ehrerbietung, die dem Land dargebracht wird – die Huldigung an dieses Land. All jene, die hier meditiert und ihren Geist gereinigt haben, werden sich mit einem Gefühl von metta gesegnet fühlen:
„Genau wie ich davon profitiert und selbst, wenn nur in geringem Maße, Frieden und Freude empfunden habe, möge ein solch stiller Frieden immer mehr Menschen zugutekommen. Mögen sich immer mehr Menschen von ihren karmischen Fesseln befreien.“
Solch ein gesegnetes Gefühl entsteht in einem: „Oh, wie kann ich Unterstützung geben auf diesem Pfad?“Man kann auf jede erdenkliche Weise helfen, vielleicht durch das Halten von Vorträgen oder durch das Geben von dāna. Aber die beste Art zu helfen, ist das Meditieren. Je mehr ein Alter Schüler ernsthaft auf diesem Land meditiert, desto mehr wird er zu einem Vehikel für das Wohl der anderen.
Viele Menschen erreichten während der Lebenszeit meines Lehrers den Zustand von Nibbana. Sie konnten in diesen Zustand eintreten und darin verweilen, wann immer sie wollten. Sayagyi würde diese Meditierenden fragen: „Wie könnt ihr eure Schulden abzahlen?“ Er würde dann weiterhin sagen, dass manche Menschen versuchen würden, ihre Schulden zu begleichen durch Geldbeträge, freiwillige körperliche Arbeit oder auf andere Weise. “Aber für Meditierende Ihres Kalibers ist es das Beste, wenn Sie mindestens einmal pro Woche hierher kommen. Nach einer Stunde der Meditation im nibbanischen samādhi in einer der Zellen können Sie gehen. Sie haben dann einen sehr wichtigen Dhamma-Dienst geleistet.“
Jeder Meditierende wird Schwingungen bis zu seinem Entwicklungslevel erzeugen, unabhängig davon, welches Level das ist. Die durch den Bau von Zellen bereitgestellten Meditationsmöglichkeiten sind in der Tat eine Arbeit großen Verdienstes. Eine noch effektivere Möglichkeit zum Sammeln von pāramīs besteht aber darin, einmal pro Woche hierher zu kommen und zu meditieren. So geben Sie dāna, das dieses Land enorm reifen lassen wird.
Jeder Mensch muss sich anstrengen; er muss mit seinen Unreinheiten kämpfen; wenn jedoch die ihn umgebende Atmosphäre voller Dhamma ist, macht es das leichter. Die äußeren atmosphärischen Schwingungen behindern, wenn sie unrein sind. Meditierende kämpfen gegen ihre eigenen inneren Unreinheiten, und wenn die äußere Atmosphäre sie runter zieht, wird die Meditation umso schwieriger. In solchen Situationen stellt die Erzeugung von Dhamma-Schwingungen einen Schutzschild dar. Meditierende können dann mettā im Inneren erzeugen.
Hierher zu kommen und zu meditieren wird nicht nur dem eigenen Wohl dienen, sondern auch dem vieler anderer Menschen für die kommenden Jahrhunderte. Und wo immer Dhamma-Schwingungen erzeugt werden, werden Menschen davon angezogen. Solange das Dhamma in den kommenden Jahrhunderten in seiner makellosen Reinheit erhalten bleibt, wer weiß denn, wie viele Menschen zum Meditieren an diesen Ort kommen und davon profitieren werden. Mögen all jene, die heute und in der Zukunft meditieren, glücklich und voller Frieden sein.
Mögen alle glücklich sein! Mögen alle glücklich sein! Mögen alle glücklich sein! Mögen alle Wesen glücklich sein! Mögen sie voller Frieden sein! Mögen sie befreit sein!
S. N. Goenka