Immer wieder betont Goenkaji, wie wichtig das Einhalten von Sila, also ethischem Verhalten, für die Vipassana-Praxis ist. Hier einige Auszüge aus dem Buch „Die Kunst des Lebens“ von William Hart, in der die Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka ausführlich erklärt wird.
Bedeutet die fünfte Regel, dass man keine Rauschmittel zu sich nehmen soll oder dass man lediglich vermeiden soll, sich zu berauschen? Schließlich scheint mäßiges Trinken, ohne betrunken zu werden, nicht besonders schädlich zu sein. Oder würden Sie sagen, dass man selbst dann sein Sila bricht, wenn man auch nur ein einziges Glas Alkohol trinkt?
Auch wenn Sie nur kleine Mengen Alkohol trinken, werden Sie auf lange Sicht ein Verlangen nach Alkohol entwickeln. Sie bemerken es nicht, aber Sie machen einen ersten Schritt hin zur Abhängigkeit, die zweifellos Ihnen selbst und anderen schadet. Jeder Süchtige fängt damit an, nur ein einziges Glas zu trinken. Warum also einen ersten Schritt zum Leiden machen? Wenn Sie ernsthaft meditieren und eines Tages aus Vergesslichkeit oder bei einer Feier ein Glas Wein trinken, werden Sie merken, dass Ihre Meditation an diesem Tag beeinträchtigt ist. Dhamma verträgt sich nicht mit dem Gebrauch von Rauschmitteln. Wenn Sie wirklich Fortschritte in Dhamma machen wollen, müssen Sie sich von allen Drogen fernhalten. Dies ist die Erfahrung von vielen Tausenden von Meditierenden. Die zwei Regeln, die sexuelles Fehlverhalten und den Gebrauch von Rauschmitteln betreffen, müssen ganz besonders von Menschen aus den westlichen Ländern richtig verstanden werden.
Bricht man sein Sila, wenn man Fleisch isst?
Nein, wenn Sie das Tier nicht selbst getötet haben, nicht. Wenn Ihnen bei einer Gelegenheit Fleisch angeboten wird und Sie es wie jedes andere Essen auch genießen können, haben Sie keine der Regeln gebrochen. Aber durch das Essen von Fleisch ermutigen Sie natürlich indirekt jemand anderen, die Regeln zu brechen, nämlich Tiere zu töten. Und darüber hinaus schaden Sie sich durch das Fleischessen auch noch auf einer subtileren Ebene. Ein Tier erzeugt in jedem Augenblick Verlangen und Aversion; es ist nicht in der Lage, sich selbst zu beobachten und seinen Geist zu reinigen. Verlangen und Aversion durchsetzen jede Faser seines Körpers. Das ist die Energie, die Sie aufnehmen, die Eingabe, die Ihnen durch die nicht-vegetarische Kost zugeführt wird. Ein Meditierender versucht, Verlangen und Aversion aufzulösen, und es wird daher für ihn hilfreich sein, wenn er auf fleischliche Kost verzichtet.
Wird deshalb nur vegetarisches Essen während der Kurse angeboten?
Ja, weil es für die Vipassana-Meditation am besten ist.
Würden Sie empfehlen, auch im Alltag vegetarisch zu leben?
Das ist ebenfalls hilfreich.